Börsenweisheiten auf dem Prüfstand

„Wenn die Börsenspekulation leicht wäre, gäbe es keine Bergarbeiter, Holzfäller und Schwerarbeiter“, meinte schon Börse-Guru André Kostolany. Einige Börsenweisheiten halten sich jedoch trotzdem hartnäckig seit Jahrzehnten und Jahrhunderten. Wir haben sie für Sie unter die Lupe genommen:

 

Börsenweisheiten zu Trends

„Greife nie in ein fallendes Messer“, „Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen“, „the trend is your friend“ oder „die Hausse nährt die Hausse“: Wenn die Kurse einmal sinken, fallen sie meist weiter; wenn sie sich nach oben bewegen, steigen sie auch weiter. Auch Nobelpreisträger Robert Shiller meinte, dass Kursschwankungen gemessen an der Vorstellung der rationalen Märkte zu hoch sind. Aber leider gilt auch: „An der Börse wird weder zum Einstieg noch zum Ausstieg geklingelt“. Das heißt: Auch wenn es Trends gibt, an die man sich halten könnte – man weiß natürlich nie genau, wann sie beginnen bzw. wann und ob sie wieder aufhören.

Börsenweisheiten zu Kalendereffekten

„Sell in May and go away, but remember to come back in September“ gilt laut einer Studie von Bouman und Jacobsen in 36 von 37 europäischen Finanzmärkten: Renditen sind von Oktober bis April signifikant höher – wahrscheinlich, weil institutionelle Investoren wie Versicherungen vor allem im ersten und vierten Quartal investieren. Außerdem spricht man vom Montags-Effekt – montags sind die Renditen niedriger als an anderen Tagen; und dem Freitags-Effekt – freitags sind die Renditen höher, was man wahrscheinlich auf die Freude der Anleger gegen das Wochenende hin und auf den Montagsfrust nach dem Wochenende zurückführen kann. Und der Jänner-Effekt wiederum besagt, dass der Jänner normalerweise überdurchschnittliche Renditen bringt.

Studien zu den Kalendereffekten sind jedoch umstritten – es gibt hierzu oft auch Gegenstudien oder den Verweis auf den Zufall. Und Saison-Zertifikate, die z.B. Mai-Strategien verfolgen, bringen auf lange Sicht keine überdurchschnittlichen Renditen. Es gibt also auch zu den Kalendereffekten keine einfache Antwort.

Börsenweisheiten zum Anlagezeitpunkt

Die Börse-Sprichworte „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ oder „buy on bad news, sell on good news“ zeigen, dass es Zeitpunkte gibt, bei denen sich ein Einstieg empirisch gesehen besonders lohnt. Antizyklisch kaufen – also beispielsweise Aktien kaufen, wenn die Kurse aufgrund der Angst der Anleger besonders niedrig sind – ist grundsätzlich ein guter Ratschlag. Doch auch hier gibt es keine Garantie, dass die Kurse wieder nach oben schnellen.

Grundsatzregeln an der Börse

Kurz zusammengefasst: Auch wenn es für Börsentrends, Kalendereffekte oder Regeln zum Anlagezeitpunkt einige Börsenweisheiten gibt, die auch durch Studien belegt sind, sind diese weder Selbstläufer noch generelle Renditegarantien.

Was jedoch sicher gilt: Grundsatzregeln zum Verhalten, die für einen Erfolg an der Börse manchmal wichtiger sind als alle anderen zuvor genannten Börsenweisheiten, wie beispielsweise „Lege nicht alle Eier in einen Korb“, „an der Börse braucht es Geduld“, „hin und her macht Taschen leer“ oder „kaufe Aktien nie auf Kredit“.

Unsere erfahrenen MBI-Experten beraten Sie in jedem Fall sehr gerne zu den Geldanlage-Strategien, die am besten zu Ihnen passen.